Tag 2 in der Hölle

Ich glaube, ich bin in der Hölle gelandet. Nein, nicht mit Fegefeuern, kleinen roten Teufeln und Spießen. Wobei, Teufel gibt es auch.

Meine neue Schule ist der absolute Horror. Die Unterstufe lebt wie in der Steinzeit und hat nichts Besseres zu tun, als größere Schüler zu bewerfen (die Steinschleuder ist wieder in) oder Lehrer zu rufen, wenn sie selbst zurückgeärgert werden. Von der 8. bis zur 10. Klasse kann man eigentlich alle über einen Kamm scheren. Sehr auf das Äußerliche bezogen (wie man es ja gerne der Jugend nachsagt) und immer noch im Kleinkrieg Jungen gegen Mädchen. Die Oberstufe lässt sich erst gar nicht blicken, zumindest habe ich bis jetzt noch niemand gesehen, der etwa in dem Alter sein könnte.

Und die Lehrer … ich sage lieber nichts, von denen bekomme ich ja Noten.

Der Unterricht ist entweder sterbenslangweilig oder man kämpft darum, den Lehrer überhaupt zu sehen, weil in der Reihe vor einem ein halbes Dutzend Jungen (9. Klässler, ja wirklich) meinen, sich prügeln zu müssen. Ich fühle mich schon jetzt, als hätte ich eine Gehirnwäsche bekommen und das am zweiten Tag!

Leider habe ich auch meinen Willen „Nein“ zu sagen in meiner Heimatstadt gelassen, weshalb ich heute von Carl mit in ein Jugendhaus geschleppt wurde. Jugendhaus ist vielleicht die falsche Bezeichnung, viel mehr „Platz, an dem sich Jugendliche - geschützt vor den Eltern - in dunklen Ecken betrinken können, oder mal eine Kippe rauchen“.

Carl hat mich allen als sein Freund vorgestellt, aber ich hätte mich in der Situation eher als wehrloses Opfer bezeichnet. Wir standen nur herum, Zigaretten machten die Runde (ich habe nicht an einer gezogen!) und die anderen redeten über Dinge, von denen ich im Leben noch nichts gehört habe.

Ich habe es überstanden - das ist das einzige was zählt. Nachdem Carl dann mich nach Hause gebracht hat, ich ihn vor der Tür aber noch abwimmeln konnte, war ich endlich in Sicherheit. Abgesehen von den zwei kichernden Mädchen, die meine Schwester bei sich im Zimmer hatte. Leider sind die Wände so dünn, in unserer neuen Wohnung.

Zumindest weiß ich jetzt, wie der „süßeste Junge der ganzen Schule“ heißt. Manuel.

Am Abend habe ich zum ersten Mal gebetet. Dafür, dass Carl mich in Ruhe lässt und dafür, dass Nina niemals diesen Manuel kennen lernt.

27.6.07 21:16

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