Englisch üben

Ich bin Carl entkommen! Und Lilia im wahrsten Sinne des Wortes in die Arme gelaufen.

In der Pause schleppte mich Carl schon wieder mit sich, bis Lilia, ein hübsches, typisch gestriegeltes Mädchen aus meiner neuen Klasse, eingriff und mich von Carl erlöste. Wahrscheinlich nicht auf Dauer, aber ein Tag ist schon mal gut. Ich kenne Carl zwar erst seit etwas mehr als 72 Stunden, aber das reicht vollkommen aus.

Aber zurück zu Lilia. Ich muss sagen, echt nett. Sie hat mich gefragt, ob wir nicht zusammen auf die Englischarbeit lernen wollten. Ich sah da zwar keinen Sinn, da die Arbeit für mich sowieso nicht zählt (von wegen „Janniks Noten aus seiner alten Schule werden übernommen, da 4 Wochen für eine ausgereifte Notenvergabe zu wenig sind“ ), aber ich habe dennoch zugestimmt. Sie sah einfach so nett aus.

Wir haben uns dann in die Bücherei verzogen - eine eindeutig Carl freie Zone!

Ich hätte mich ja gerne mehr umgeschaut, aber Lilia zerrte mich gleich an einen Tisch und breitete ihr Englischzeug aus.

Schlecht kann sie nicht sein, denn sie wusste alle Antworten und ich so gut wie keine. Zwar habe ich es auf die Tatsache geschoben, dass wir ein ganz anderes Englischbuch in meiner alten Schule hatten (stimmt nicht), aber mit der Zeit habe ich dann doch mehr mitbekommen, als ich dachte.

Über was ich mit Lilia sonst noch so geredet habe, weiß ich nicht mehr. Es ist wie wegradiert, was nichts Schlechtes heißen muss. Lilia erschien mir sehr sympathisch und ich glaube, ich kann sie ganz gut leiden.

Dass sie mich leiden kann, ist unübersehbar. (- Behaupte ich jetzt -)

Mehr ist heute nicht passiert.

28.6.07 21:16, kommentieren

Der netteste Junge

WOCHE 1, Tag 3

Ich habe ihn angesprochen! Ich habe Jannik zum lernen eingeladen und obwohl die Arbeit für ihn nicht zählt, ist er mit mir in die Bücherei und hat mir voll lieb bei den Aufgaben geholfen.

Ich weiß auch nicht, aber Jannik ist der netteste Junge, den ich je getroffen habe. Er macht keine dummen Witze, hört zu, ist sehr offen und absolut kein Macho. Gut, dass ihn die möchte gern Mädchen aus der Klasse noch nicht wahrgenommen haben.

Wir waren drei Stunden in der Bücherei und dann hat er mich noch ein Stück nach Hause gebracht. Er hat so einiges erzählt, was man von Jungen ja sonst nicht so sagen kann. Ein bisschen schüchtern, aber das finde ich gerade interessant an ihm. Er ist einfach anders.

Für Hanniball hatte ich heute natürlich keine Zeit mehr, nachdem ich mich mit Jannik getroffen habe. Ich sehe zwar förmlich das traurige Gesicht meines Wallachs vor mir, aber Jannik war heute spannender. Und ich glaube, ich rufe ihn morgen mal an.

Natürlich nur, damit er von diesem Carl wegkommt!

28.6.07 19:03, kommentieren

Nix

War heute nur im Jugendhaus, bisschen abhängen. Sonst nix. Vielleicht morgen.

27.6.07 23:04, kommentieren

Tag 2 in der Hölle

Ich glaube, ich bin in der Hölle gelandet. Nein, nicht mit Fegefeuern, kleinen roten Teufeln und Spießen. Wobei, Teufel gibt es auch.

Meine neue Schule ist der absolute Horror. Die Unterstufe lebt wie in der Steinzeit und hat nichts Besseres zu tun, als größere Schüler zu bewerfen (die Steinschleuder ist wieder in) oder Lehrer zu rufen, wenn sie selbst zurückgeärgert werden. Von der 8. bis zur 10. Klasse kann man eigentlich alle über einen Kamm scheren. Sehr auf das Äußerliche bezogen (wie man es ja gerne der Jugend nachsagt) und immer noch im Kleinkrieg Jungen gegen Mädchen. Die Oberstufe lässt sich erst gar nicht blicken, zumindest habe ich bis jetzt noch niemand gesehen, der etwa in dem Alter sein könnte.

Und die Lehrer … ich sage lieber nichts, von denen bekomme ich ja Noten.

Der Unterricht ist entweder sterbenslangweilig oder man kämpft darum, den Lehrer überhaupt zu sehen, weil in der Reihe vor einem ein halbes Dutzend Jungen (9. Klässler, ja wirklich) meinen, sich prügeln zu müssen. Ich fühle mich schon jetzt, als hätte ich eine Gehirnwäsche bekommen und das am zweiten Tag!

Leider habe ich auch meinen Willen „Nein“ zu sagen in meiner Heimatstadt gelassen, weshalb ich heute von Carl mit in ein Jugendhaus geschleppt wurde. Jugendhaus ist vielleicht die falsche Bezeichnung, viel mehr „Platz, an dem sich Jugendliche - geschützt vor den Eltern - in dunklen Ecken betrinken können, oder mal eine Kippe rauchen“.

Carl hat mich allen als sein Freund vorgestellt, aber ich hätte mich in der Situation eher als wehrloses Opfer bezeichnet. Wir standen nur herum, Zigaretten machten die Runde (ich habe nicht an einer gezogen!) und die anderen redeten über Dinge, von denen ich im Leben noch nichts gehört habe.

Ich habe es überstanden - das ist das einzige was zählt. Nachdem Carl dann mich nach Hause gebracht hat, ich ihn vor der Tür aber noch abwimmeln konnte, war ich endlich in Sicherheit. Abgesehen von den zwei kichernden Mädchen, die meine Schwester bei sich im Zimmer hatte. Leider sind die Wände so dünn, in unserer neuen Wohnung.

Zumindest weiß ich jetzt, wie der „süßeste Junge der ganzen Schule“ heißt. Manuel.

Am Abend habe ich zum ersten Mal gebetet. Dafür, dass Carl mich in Ruhe lässt und dafür, dass Nina niemals diesen Manuel kennen lernt.

27.6.07 21:16, kommentieren


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